Namibian-German Special Initiative

for community-driven development in specific regions

Viehhalter überwinden Engpässe

Viehempfänger der namibisch-deutschen Sonderinitiative in Outjo
Der lokale !Kung-Chef Katai Ngairo (mit Hut) stellt San-Angehörige seiner Gemeinschaft auf Okarui vor, die aus der namibisch-deutschen Sonderinitiative Kleinvieh - hier Boerbok-Ziegen - erhalten haben, darunter die Sprecherin der Empfängergemeinschaft, Katiti Katuisa. Okarui ist zehn Kilometer östlich von Okakarara gelegen. Zum Einkauf in der Ortschaft legen die Kleinviehfarmer die Strecke zu Fuß zurück. Foto: Eberhard Hofmann

by Eberhard Hofmann, Outjo/Okakarara
from AzNamibia16, 15/04/2016

Viehempfänger der namibisch-deutschen Sonderinitiative haben während zwei aufeinander folgenden Dürrejahre etliche Viehverluste erlitten. Auch Raubtiere haben Vieh gerissen. Aber mit der relativ guten Weide am Ende dieser Regenzeit sind sie entschlossen, ihren „Teilungsvertrag“ zu erfüllen.

Die namibisch-deutsche Sonderinitiative steht ihrem Ende entgegen, nachdem die Nationale Planungskommission seit 2008 bis dato mit deutschen Mitteln und technischem Beistand in Höhe von rund 262 Mio. Namibia-Dollar 180 Projekte in sieben Regionen durchgeführt hat. Die deutsche Botschaft hat mit Journalisten der lokalen Medien vor einer Woche fünf Projekte, bzw. ländlich-marginale Basisgemeinschaften besucht, die schon länger durch die Initiative gefördert werden und vorweisen können, dass der Beistand unter anderem durch Viehvergabe, Schülerheimbau und Anleitung zur Viehhaltung für sie nachhaltige Existenzgrundlagen und bessere Aussichten zur Selbsthilfe geschaffen hat.

Bei den fünf Lokalteminen im Raum Outjo und Okakarara wurden zwei Gemeinschaften mit vorwiegend Hai//om-San, eine mit !Kung-San sowie zwei mit Ovaherero besucht. Die Viehempfänger verpflichten sich unter der Initiative jeweils, dass sie Muttertiere, ob Ziegen oder Rinder, unter Rücksprache mit dem lokalen Projektkomitee an andere Bedürftige weitergeben, derweil die ersten Empfänger die abgesetzten Jungtiere behalten und sich so einen kleinen Viehstock zulegen können. Das sogenannte rotierende Schema wurde gute zwei Jahre vielerorts durch die Dürre und einhergehende Viehverluste unterbrochen, aber mit der guten Weide in diesem Jahr schöpfen die besuchten Viehhalter neuen Mut, dass ihr Viehbesitz zunimmt und sie so die eingegangene Verpflichtung, die zuerst erhaltenen Muttertiere weiterzugeben, erfüllen können. Bei Okakarara haben sich Viehempfänger jedoch auch beschwert, dass Raubwild mitunter aus dem Waterberg-Plateaupark unter ihr Vieh gerät und Tiere erbeutet. Auf der Farm Seringkop bei Outjo beklagte sich eine Frau dazu, dass das „rotierende Viehschema“ nicht so einfach durchzusetzen sei, da sich die Viehhalter manchmal „aus Habsucht“ nicht einfach zugunsten der nächsten Empfänger von den Muttertieren trennen wollten. „Die Viehverträge, die wir abschließen, sind nicht so leicht durchzusetzen.“

Das Besondere an der Durchführung der Initiative besteht im direkten Mitbestimmungsrecht der bedürftigen Gemeinschaften, die von der Nationalen Planungskommission und anderen kooperierenden Instanzen identifiziert werden und dann ihre Wunsch- und Prioritätenliste aufstellen. Die Planungskommission, die zuständigen Kräfte der Sonderinitiative und die Gemeinschaft bestimmen dann zusammen, welche Projekte realisierbar sind und welche Wünsche der Liste noch unerfüllt bleiben.

Unter den besuchten Viehempfängern und Gemeinschaften herrscht Zustimmung und Begeisterung für den Beistand und die Projekte, im Gegensatz zu einigen Politikern der Reparationslobby, die die Sonderinitiative desavourieren möchten.

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